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Minimalismus – Weniger ist mehr

Minimalismus kann ein Leben verändern

Laut einer im Jahr 2013 durchgeführten Online-Befragung der Strategieagentur „diffferent“ bewundern 70% der Deutschen diejenigen Menschen, die keinen Wert auf materiellen Besitz legen, also den puren Minimalismus leben. An der Umsetzung für das eigene Leben hapert es jedoch bei vielen, obwohl der Trend “Minimalismus” durchaus auf dem Vormarsch ist. Doch was bedeutet es überhaupt, minimalistisch zu leben?

Wir kennen den Begriff “Minimalismus” aus Kunst und Design oder aus der Architektur, manchmal verbinden wir damit besonders asketisch lebende Menschen, die in unserer Vorstellung in weiße Gewänder gehüllt sind und deren “Erleuchtung” quasi kurz bevor steht – leicht übertrieben natürlich. Dabei ist Minimalismus im Prinzip nichts anderes, als die Art des einfachen Lebens, eine ganz eigene Lebensphilosophie. Der Begriff ist breit gefächert: Das reicht vom absoluten Konsumverweigerer bis hin zu Menschen, die zwar mehr Dinge als Tisch, Bett und Stuhl besitzen, die jedoch ihren Konsum regelmäßig hinterfragen. Wer Minimalist wird, möchte von der konsumgesteuerten Gesellschaft weg, hin zu mehr persönlicher Freiheit und einem selbstbewussten und selbstbestimmten Leben. Also keine Gedanken von wegen „Mein Haus, mein Boot, mein Pferd …“.

Grundbedürfnisse: Was jeder Mensch zum Leben braucht

Hier könnte man die Maslowsche Bedürfnispyramide heranziehen. Wir versuchen zunächst Grundbedürfnisse wie z. B. Schlaf, Nahrung, Atmung und Sexualität zu befriedigen. Die nächste Stufe geht dann in Richtung Gefahrenschutz und Arbeitsplatz. Die dritte Stufe steht für beziehungstechnische Aspekte, wie Familie, Partnerschaft, Kommunikation, Freunde und Liebe. Erst bei der vierten Stufe geht es um die soziale Wertschätzung. Diese kann sowohl durch den eigenen Status und Respekt, den andere vor einem haben, ausgedrückt werden, als auch durch materielle Dinge wie Geld und Erfolg. Hier finden somit Boot, Haus und Pferdepflegerin theoretisch doch noch ihre Verwendung. 😉 Zu guter Letzt finden wir auf der fünften und letzten Stufe (hoffentlich) die Selbstverwirklichung, die sich durch Individualität, Talententfaltung und letztendlich der Erleuchtung äußert.

Die materielle Sichtweise: Weniger ist mehr

Es gibt Menschen, die den Minimalismus nicht aus finanzieller Not oder Platznot heraus leben, sondern gewollt mit wenig leben. Manche leben recht bescheiden und besitzen nur das Nötigste wie Bett, Tisch und Stuhl. Vielleicht noch – als Verbindung zur Außenwelt – einen Laptop, der wahrscheinlich sogar den Wert der Wohnungseinrichtung toppt. Weniger ist mehr – weniger Besitz bedeutet gleichzeitig mehr Freiheit, denn ich muss in der Regel auch weniger arbeiten, wenn ich nicht so viele Dinge benötige. Wer minimalistisch lebt, ist ein Freund des einfachen Lebens. In dieser selbst gewählten Lebensform ist “einfach” eben auch gut. Wer so lebt hat – wie ich finde – gut erkannt, dass, wenn man nur wegen der Nachbarn Besitz anhäuft, man nicht glücklicher wird. Ganz im Gegenteil: Man wird schlimmstenfalls depressiv, weil der Besitz nicht unbedingt das eigene Verlangen stillt. Nach was auch immer. Insofern kann Besitz belasten. Und anstrengend ist er auf Dauer auch.

Immaterielle Werte: Was zählt wirklich?

Minimalismus kann man auch auf Menschen übertragen, in dem Sinne, dass man, was seine Freunde betrifft, eine Bestandsaufnahme macht. Auf wen kann ich im Notfall wirklich zählen und auf wen kann ich getrost verzichten? Nervenaufreibende Beziehungen und/oder gefühlte Verpflichtungen können nämlich genauso belastend sein wie materieller Besitz. Hiervon sollte man sich alsbald frei machen.

Umstellung: Wie lebe ich “einfach”?

Einige von uns haben vielleicht in der Fastenzeit schon einen kurzen Einblick in das minimalistische Leben erhalten. Denn auch hier wird – zumindest für eine bestimmte Zeit – auf Genuss und evtl. auch auf Luxus verzichtet. Wer Minimalismus leben will, belässt es einfach dabei. Man kann mit materiellen Dingen anfangen und eine Art Inventur im Leben machen. Was benötige ich wirklich im Leben, was macht mich glücklich? Brauche ich wirklich 50 Oberteile und 20 Paar Jeans im Kleiderschrank oder das größere Auto? Muss es unbedingt die hippe Designer-Ledercouch sein oder tut es auch eine günstigere Variante? Je weniger ich kaufe, desto weniger muss ich verdienen, also bedeutet das auch in Bezug aufs Arbeitsleben weniger Stress. Man mag es kaum glauben, aber das Internet kann auch Vorteile haben. 😉 Es macht es nämlich einfacher, wenig zu besitzen. Warum? Nun, man muss keine Bücher oder CDs mehr zuhause horten, sprich physisch besitzen, sondern kann auf entsprechende digitale Dienste zurückgreifen. Selbst beim Auto könnte man (leider nicht überall) auf Carsharing umsteigen.

Was hat man vom Minimalismus?

Dazu kann man sich Fragen stellen, wie: Macht uns der Konsum unglücklich? Macht weniger Besitz uns im Leben erfüllter? Können wir überhaupt noch bewusst einen Moment genießen oder hetzen wir im Geiste schon wieder etwas anderem hinterher? Wer diesen Lebensstil leben will, muss sich also darin üben, sich sowohl von Menschen als auch von Dingen zu lösen. Das ist anfangs sicher nicht gerade einfach. Aber nur so hat man den erforderlichen Überblick und kann die dann eintretende Freiheit genießen und seine eigenen Ziele verfolgen. Denn erst jetzt ist man auch im Kopf unabhängig (und aufgeräumt) und kann die Dinge tun, die man wirklich liebt. Ziel ist es ein einfaches aber gutes Leben zu führen. Was man hierzu wirklich braucht und auf was man getrost verzichten kann, muss jeder für sich selbst entscheiden. Frisch Verliebte sind vielleicht – zumindest zeitweise – mit Abstand die Vertreter, die Minimalismus ganz einfach leben können, ohne ein Gefühl des Verzichts zu empfinden. Sie brauchen nämlich nichts, außer sich selbst.

 

Ihre Irene

(Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.)

 


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